Bernd Hück
Stadtmarschall der Füsilier-Garde 1953 e.V.
Benennung zum Stadtmarschall: 01.01.1992
Die Füsilier-Garde
Am 20. März 1953 fand in der Gaststätte "Zum Goldenen Adler" in Mainz-Gonsenheim die Gründungsversammlung der Füsilier-Garde statt. Zum 1. Vorsitzenden wurde Werner Christoph Schultheis gewählt. Vorausgegangen waren zwei Jahre der Planung und Ideenfindung von einem jungen Mann mit gerade mal zwanzig Jahren. Werner-Christoph Schultheis, der Gründer der Garde, befasste sich bereits 1951 mit dem Gedanken, eine eigenständige Gonsenheimer Garde zu gründen. Nach umfangreichen Recherchen und eingehendem Studium der alten Mainzer Garden arbeitete er ein Konzept aus, in dem alle wichtigen Details wie Namen, Uniform und Beziehung des gewählten Namens zu Mainz enthalten waren. All diese Komponenten sollten unbedingt eine Verbindung zu einem heimatlich-traditionellen Ursprung besitzen.
Den Namen "Füsilier-Garde" und die Uniform entnahm Werner Christoph Schultheis von den Hessen-Kasseler Füsilieren, einem Regiment der Landgrafen von Hessen- Kassel, welches im 17. und 18. Jahrhundert u.a. immer wieder auf Seiten des Deutschen Kaisers in die Kämpfe gegen Frankreich - und damit auch im Mainzer Raum - verwickelt war. Besonders herausragend war ihre Tapferkeit bei der Erstürmung der von den Franzosen besetzten Stadt Mainz im Jahre 1689. Im Herbst 1952 , nach Fertigstellung der ersten Uniform, fing Schultheis an, nach und nach seine engsten Freunde zu informieren. Für ihn stand fest, dass die vor der Gründung stehende Garde in Gonsenheim in enger Beziehung zum Gonsenheimer Carneval Verein stehen sollte, aber so, dass nach innen und außen auf jeden Fall die Selbstständigkeit gewahrt bleiben soll. Dieses System der "Närrischen Achse" hat sich bis heute bestens bewährt. Natürlich war die Gründung einer Fastnachtsgarde in den Nachkriegsjahren nicht ohne Risiko. Aber es gelang Werner Christoph Schultheis, einen Freundeskreis aus jungen Männern (Durchschnittsalter 18 Jahre) um sich zu scharen. Nur so war es möglich, die unzähligen, beim Start eines solchen Projekts anfallenden Arbeiten zu erledigen. Aber das alles hätte sicher nicht zu einem so schnellen Aufstieg der Garde gereicht, hätte man nicht durch Hans Klenk und seine Familie großzügige finanzielle Unterstützung gefunden. Nicht zu vergessen auch die vielen, heute den meisten nicht mehr bekannten Helfer im Hintergrund.
1954 wurde die Teilnahme an den GCV Sitzungen am 23. Januar und 14. Februar sowie am GCV-Ball am 6. Februar 1954 festgelegt. Besondere Anerkennung widerfuhr der neu gegründeten Füsilier-Garde dann in der GCV-Sitzung am 23. Januar 1954, als eine große Abordnung der Mainzer Prinzengarde mit Hans Halama an der Spitze erschienen war und in einer närrischen Zeremonie die Patenschaft über die Garde übernahm. MCV-Präsident Karl Moerlé gratulierte als Erster und zeigte sich sehr beeindruckt von dem sauberen Bild, das die Füsilier-Garde abgab und das nun auch die Mainzer Fastnacht bereichern würde. Der Höhepunkt in der ersten Kampagne war zweifellos die Teilnahme am Rosenmontagszug. In den folgenden Jahren erlebte die Garde einen nie erwarteten Aufschwung. Als der Gardegründer und 1.Vorsitzende Werner Christoph Schultheis 1963 aus beruflichen
Gründen seinen Lebensmittelpunkt in den Schwarzwald verlegen musste, hinterließ er seinem Nachfolger Rudolf Zeuner ein gut bestelltes Feld. Die Rangliste enthielt mittlerweile 200 Mitglieder. Ein Musikzug, ein großes Reiterkorps, Kadetten und Majoretten sowie ein Amazonenkorps gehörten zum eindrucksvollen Erscheinungsbild der Garde. Wer gedacht hätte, dass die enorme Weiterentwicklung der Garde irgendwann stagnieren könnte, sah sich getäuscht. Die Mitgliederzahl stieg stetig Jahr für Jahr an. 1978, im Jahr des 25jährigen Jubiläums, präsentierte sich die Füsilier-Garde als unverzichtbarer Teil der Mainzer Fastnacht. Nicht nur auf den Straße, sondern auch in der Saalfastnacht hatte die FG einiges zu bieten. Legendär waren die Herrensitzungen in den Jahren 1964 bis 1974. Neben traditionellen Maskenbällen und "Sitzungen mit Damen" waren die Füsiliere aber auch aufgeschlossen für neue Elemente. Nachdem die traditionellen Maskenbälle trotz aller Bemühungen hinsichtlich der Attraktivität der Kapellen bei vielen Vereinen nicht mehr den gewohnten Zuspruch fanden, entschlossen sich die Verantwortlichen 1973, ein neues Format zu entwickeln. Man fand schnell heraus, dass der Donnerstag vor den Fastnachtstagen, der Tag also, an dem im rheinischen Raum ausgelassen die Altweiberfastnacht gefeiert wird, der ideale Zeitpunkt für diese Veranstaltung war. Eine Idee war geboren, und die Werbetrommel wurde gerührt. Alle Erwartungen hinsichtlich der Besucher wurden haushoch übertroffen. Die Veranstaltung entwickelte sich zu einem absoluten Renner, zumal sie in ihrer Art in Mainz einmalig war. Obwohl die Idee im Laufe der Zeit von zahlreichen Vereinen aus Mainz und Umgebung kopiert wurde, stieg die Kartennachfrage stetig an, und nach wie vor ist der "Große Füsilier-Garde-Ball" am Tage der Altweiberfastnacht ein Highlight, das sich bis zum heutigen Tag großer Beliebtheit erfreut.
Den nächsten Schritt in ein neues Feld wagte die Garde 1979 mit der erstmaligen Durchführung einer Veranstaltung, die es in dieser Form in Mainz bisher noch nicht gab. Eine Sitzung in Form eines Frühschoppen am Sonntagmorgen. Die Idee wurde zunächst mit sehr viel Skepsis aufgenommen, doch der Ideengeber, der unvergessene Herbert Jakob, war sich sicher, dass seine Idee auf fruchtbaren Boden fallen würde.
Herbert Jakob sollte Recht behalten. Es wurde eine grandiose Veranstaltung, die Begeisterung beim Publikum und viel Freude bei den Mitwirkenden auslöste. Die Frühschoppensitzung ist bis zum heutigen Tag, jeweils am zweiten Sonntag vor den Fastnachtstagen, ein fester Bestandteil im Terminkalender der FG.