Lothar Both
Stadtmarschall Mainzer Ranzengarde von 1937 e.V.
Benennung zum Stadtmarschall: 2000
Die Mainzer Ranzengarde - Die erste „richtige“ Kampagne
Seit 1838 bildet die Ranzengarde die Spitze der Mainzer Rosenmontagszüge und sie hat seit ihrer Gründung an jedem Rosenmontagszug teilgenommen. Die Streitmacht von 1838 bestand aus 52 Personen, aufgeteilt in Offiziere und Mannschaft. Der Generalstab setzte sich beim 1. Feldzug aus folgenden Prominenten zusammen: General Johann Maria Kertell, Adjutant Wilhelm Ohaus, Kriegsminister Spirito Casanio Sangiorgio als die Personifikation früher Mainzer Integrationskunst, Sekretär des Kriegsministers Johann Leonhard Wiehl, Major Johann Allendorf, die Hauptmänner Markus Degmann, Konrad Janz und Adalbert Nohaschek, Oberleutnant Adam Allendorf, Leutnant Peter Devienne, Fähnrich Friedrich Rittersheim, Stabsarzt Josef Aumüller, Militärarzt Friedrich Schneider, Feldapotheker Josef Zimmermann, Apotheker Georg Kempf, Stabsfeldwebel Jakob Theis, Feldwebel Friedrich Nagelbrecher, Feldwebel Jean Klobe, Profos Johann Friedrich Bayer, Tambourmajor Valentin Hettergott, General der Haubinger Friedrich Friedlieb. Und als Kadetten waren Deviennes Kinder rekrutiert.
Das Programm der „tollen Tage“ erforderte von allen Beteiligten eine sehr gute körperliche Kondition. Am Morgen des Fastnachtsonntag, 25. Februar 1838, bezog man um 9 Uhr auf dem Gutenbergplatz das Lager. Dann fuhr General Kertell mit Gefolge vor, um die Truppe und das Lager zu inspizieren. Um 11:11 Uhr begann im Stadttheater die Narrenkomödie „Hamlet Prinz von Liliput“. Es folgte ein lukullisches Festtags-Diner. Um 15:00 Uhr fuhr der „König der Satire und des Humors“ in einem prachtvollen elfspännigen (!) Paradewagen, gefolgt von 100 Staatskarossen, zum Stadtpark. Von dort fuhr man zur Residenz, dem „Römischen Kaiser“, wo man sich ausruhte und auf den abendlichen Maskenball im Stadttheater vorbereitete. Der Rosenmontag, 26. Februar 1838, war ein warmer Vorfrühlingstag. Um 11:00 Uhr startete der Zug vom Schlossplatz aus, wobei die Ranzengarde die Spitzenformation
und das Zug-Ende bildete und mittendrin in Samt und Seide König Carneval sich bewegte. So marschierten sie über Große Bleiche, Flachsmarktstraße und Schusterstraße auf den Markt, wo für die närrische Majestät ein hoher Thronsessel bereitstand, von dem aus sie die Huldigung des Hofstaates und des Gardegenerals entgegennahm. Währenddessen musizierte ein 40 Mann starkes Musikkorps auf einem pompösen Prunkwagen. Über Gutenbergplatz und Ludwigsstraße ging es weiter zum Schillerplatz, wo die Zugteilnehmer dem echten Gouverneur im Osteiner Hof ihre Reverenz erwiesen.
Am Abend traf man sich auf dem zweiten Ball im närrischen „Staats-Hoftheater“. Das Fastnachtsdienstagsprogramm begann am Vormittag mit weiteren Audienzen seiner Majestät. Wieder folgte eine „Hof- und Gala-Tafel“, zu welcher das „liebenswerteste aller gekrönten Häupter“ alle Großwürdenträger und sonstigen verdienstvollen Helden geladen hatte, „um in edler Empfindung eine weiteres gutes Werk zu tun.“
Nach der Kappenfahrt, die vom Schillerplatz ausging, fand im Stadtpark eine Art Open-Air-Sitzung statt mit närrischem Konzert und witzigen Vorträgen. Abends ging es zum dritten und letzten Maskenball im Theater. Spätestens am Aschermittwoch des Jahres 1838 gab es keinen Mainzer, der nicht
davon überzeugt war, dass MCV und Ranzengarde in der ersten gemeinsam organisierten Kampagne die Feuertaufe bestanden hatten. Hier war eine Allianz entstanden, die zukunftsbeständig sein würde. Beide Korporationen gestalteten knapp 20 Jahre lang die organisierte Fastnacht in Mainz allein, bis 1856 mit der Mainzer Kleppergarde – von Jean Dremmel, einem ehemaligen Ranzengarde-Korporal, mitbegründet – die dritte Kraft hinzukam. Die Gründung weiterer Mainzer Garden lässt sich fast in jedem Fall auf die Ranzengarde zurückführen, womit sich von selbst erklärt, dass sie den ehrenvollen Beinamen „Mutter aller Garden“ trägt.
Die Ranzengarde im 21. Jahrhundert
Im 21. Jahrhundert ging es dann Schlag auf Schlag. 2002 wurde das Jubiläum 15 mal 11 Jahre, also 165 Jahre mit einer großen Ausstellung im Mainzer Rathaus begangen. 2004 wurde vor dem Proviantmagazin der von Liesel Metten geschaffene Ranzengardebrunnen eingeweiht. Ein Jahr später erhielt als erster der ZDF-Intendant Prof. Markus Schächter ein Modell dieses Brunnens als Auszeichnung für die Verbreitung meenzer, närrischer Lebensfreunde. Zum verrückten „Jubiläum“ 13 mal 13 Jahre feierten wir mit einem „verkehrten“ Prinzenpaar. Der Prinz war eine kleine zierliche Frau und die Prinzessin ein gestandener Ranzengardist. 2007 wurde der Preis der Garde an Karl Kardinal Lehmann verliehen.
Nachdem im Sommer 2008 die Allgemeine Zeitung Mainz den verwaisten Sockel des Gutenbergdenkmals bejammert hatte, eroberte J.G., also der Generalfeldmarschall der Garde Johannes Gerster zur Neujahrsparade 2009 diesen Platz. Einen Tag später erhielt der Berliner Finanzsenator Dr. Thilo Sarrazin den Gardebrunnen. 2010 wurde augenzwinkernd Johannes Gutenberg zum Ehrengardist der Mainzer Ranzengarde „post mortem“ ernannt. Seit dem fährt er auf dem Marketenderwagen an jedem Rosenmontagszug mit seiner Garde durch die Stadt. 2011 erhielt der Unterhaltungskanzler
Lars Reichow das Brunnenmodell. 2012 wurde mit großer Beteiligung das Jubiläum 175 Jahre Mainzer Ranzengarde gefeiert. In Abstimmung mit dem MCV wurde ein Prinzenpaar ernannt und am 2. Januar 2012 beim großen Musikalischen Generalappell im Kurfürstlichen Schloss gekürt. Mit dem Stadtschlüssel und den Ehrungen der Ex-Prinzen besuchte das Paar mit einer großen Delegation den Heiligen Vater Papst Benedikt XVI. in Rom. Eine Woche später folgte dann der Empfang im Bundeskanzleramt. 2013 folgte auf Dr. Johannes Gerster nun Thomas Thelen als Generalfeldmarschall. In den folgenden drei Jahren wurden jeweils mit einem großen Musikalischen Generalappell der Kabarettist Rainer Schmidt, der Bote vom Bundestag – Jürgen Dietz und Dr. Johannes Gerster mit dem Ranzegardebunnen-Modell geehrt.