Markus Richter

Stadtmarschall der Jocus Garde Mainz-Kastel 1889 e.V.

Benennung zum Stadtmarschall: ???

Die Jocus Garde 

Wie wird es wohl gewesen sein, damals, an jenem denkwürdigen Tag im Jahre 1889, als im Gasthaus „Frankfurter Hof“ zu Kastel der „Sparverein Handfett“ die Gründung einer Fastnachtsgarde beschloss? Waren die uns bekannten Gründer Johann Dörr, der Wirt vom „Mainzer Hof“, Georg Hauss, Lorenz Beaury, Georg Schedel, Josef Schröder, Josef Zuckmayer und Lorenz Wagner eine Runde würdiger Bürger in Gehrock und Vatermörder, oder vielleicht doch eher ein liederlicher Haufen tatendurstiger junger Männer, die nach einem Schoppen zuviel den folgenschweren Entschluss einer Gardegründung fassten? Denkbar wäre alles. Wenn man einem Bericht des „Mainzer Anzeiger“ aus dem Jahre 1939, dem 50jährigen Bestehen der Garde, glauben soll, war es eine wahrhaft „närrische“ Gründung, die wie folgt geschah: 

„... Als in seinem 50. Jubiläumsjahr 1888 der Mainzer Carneval Verein seinen
traditionellen Aschermittwochsbummel nach Hochheim machte und dabei durch das
alte Kastel fuhr, tagte im ehemaligen „Frankfurter Hof“ der „Sparverein Handfett“.
Dieser Verein, der sich hauptsächlich aus Mitgliedern der „Turngesellschaft“ zusammensetzte,
trat bei der Vorbeifahrt des Comitees des MCV „unter Gewehr“, d.h.
bewaffnet mit Schipp und Besen erwies er den Mainzer Narrhallesen den Ehrengruß.

Im Verlauf der weiteren Tagung der Stammtischbrüder wurde nun auch die Gründung
einer Garde erörtert. Die Vorarbeiten waren schnell getroffen, so daß schon zwei Jahre
später (also 1890) die Jocusgarde an den Fastnachtstagen ausrücken konnte ...“.

Danach erfolgte also schon 1888, im sogenannten „Dreibrezeljahr“, die Initialzündung zur Gründung, die ein Jahr später dann Wirklichkeit wurde. Ein Jahr später schon das erste Auftreten in der Öffentlichkeit am Fastnachtszug in Mainz. Die Stammtischbrüder mussten augenscheinlich einiges auf die hohe Kante gelegt haben, denn es klingt fast unglaublich, dass innerhalb eines Jahres die komplette Ausrüstung und vor allem die prächtigen Uniformen, deren Träger mit roten Zopfperücken geziert waren, finanziert werden konnte. 

1890 war Richard Krichel General der 32 Mann starken Garde, Adjutant war Lorenz Wagner, Stabsarzt Georg Schedel, als „Spieß“ fungierte Georg Dietrich und Marketenderin Konrad Hauss hatte wohl alle Hände voll zu tun, den imposanten Tambourmajor, den „notleidenden“ Metzgermeister Karl Arenz, der mit seinen über drei Zentnern Lebendgewicht die Garde anführte, zu verpflegen und den Flüssigkeitsspiegel hoch zu halten. Der vorjährige Adjutant Lorenz Wagner führte dann 1891/92 die Garde, ihm zur Seite stand Joseph Beaury als Adjutant, die Rolle der Marketenderin übernahm Balthasar
Hauss. Fähnrich der Garde war Adam Baumann. 

Die letzte Straßenaktivität erfolgte allem Anschein nach 1892 anlässlich der Kappenfahrt des MCV, an dem sich auch die Jocus Garde mit anderen Kasteler Vereinen beteiligte, denn bis zum 11jährigen Jubiläum 1900 veranstaltete die Garde, wie es heißt, lediglich nur noch Sitzungen und Bälle. Nach Zeitungsnotizen muss es aber wohl so gewesen sein, dass für Neuanschaffungen von Uniformen und Ausrüstungsgegenständen ganz schlicht und einfach das Geld fehlte.

Die Garde meldet sich zurück

Eine achtjährige Ruhepause kann man sich nicht so recht vorstellen, denn sonst wäre die Garde an ihrem ersten närrischen Jubiläum nicht wieder so erstaunlich stark in Erscheinung getreten. Egal was war, die Garde meldete sich wieder zurück zu närrischem Tun. Unter dem Kommando ihres Generals Peter Knörr, seinem Adjutanten Jakob Wagner, dem Stabsarzt Adam Schott und der Marketenderin Peter Lohrum zog sie neu uniformiert wieder in voller Mannschaftsstärke in die närrische Schlacht. In ihrer Kampfkraft „verstärkt“ wurde sie durch den kleinen Fritz Roß, der als erster Kadett der neuen Garde überliefert ist. Das erste Auftreten der Jocus Garde im Jubiläumsjahr in ihren neuen Uniformen erregte beträchtliches Aufsehen. Wie es heißt, soll diese Offiziersuniform der Jocus Garde entlang des Rheins die teuerste Gardemontur gewesen sein, die damals existierte. Ob es wirklich so war, lässt sich heute nicht mehr nachweisen, aber es war eine doch außergewöhnlich aufwendig gekleidete Garde, die da an Fassenacht 1900 durch die Gassen zog. Wohl auch durch diese hohen Uniformkosten bedingt, beschränkte sich die Zahl der Offiziere auf 11 Mann. Den Offizieren entstand nocheine erhebliche finanzielle Belastung durch die Übernahme der laufenden Ausgaben an den Fastnachtstagen. So mussten sie alle Verpflegungskosten beim Ausrücken der Garde übernehmen. Auch die Zeche der „Kontrollgänge“, die von den Offizieren durch die Kasteler Lokale unternommen werden mussten – natürlich mit einer jeweils zugeordneten Eskorte – musste für alle Begleiter voll übernommen werden.

Die Neugründung 1927

Die Wiedergründung der Jocus Garde erfolgte eigentlich schon drei Jahre früher, als nämlich Heinrich Hebach 1925 den 1875 gegründeten Kasteler  Carneval Verein anlässlich seines 50jährigen Bestehens wieder ins Leben rief, in dem dann viele der alten Gardisten närrisch aktiv wurden und aus dem dann schließlich die Jocus Garde wie Phönix aus der Asche wieder auferstand. In der „Alten Pulverkammer“ bei Adam Delle fanden sich dann die ersten getreuen Jocus-Jünger zur Wiedergründungs-Versammlung ein, bevor sich am 4. Januar 1928 die Alt-Gardisten Heinrich Hebach, Johann Baptist Wagner II, Philipp Willig und Eduard Blum zur ersten konkreten Besprechung des Neuanfangs im Saalbau „Zum Bären“ bei Philipp Kleisinger trafen. Dieser Neubeginn war aber bei weitem nicht so einfach wie es sich heute liest. Zur desolaten wirtschaftlichen Lage kamen damals noch die strengen Auflagen der französischen Besatzungsmacht. So war auch die Neugründung der Jocus Garde um Hebach, Willig, Wagner und Blum nur durch die  Zusammenlegung mit dem Kasteler Karnevalverein möglich, da die Garde selbst mit ihren „militärischen“ Attributen von den Franzosen argwöhnisch betrachtet wurde. Nur in Zusammenarbeit mit dem MCV konnten die Bedenken der Kommandantur in der Mainzer Zitadelle ausgeräumt und die Zulassung der närrischen Korporationen erwirkt werden. Aus diesem Grunde wurde auch der Zusatz „Carnevalverein“ im Vereinsnamen aufgenommen.
Zwar war in Kastel in den Jahren nach 1925 eine rege Saalfastnacht auch durch andere Ortsvereine zu verzeichnen, aber jetzt, zehn Jahre nach Kriegsende, war die Zeit reif, die Fassenacht auf der Straße wieder zu beleben. Diese ersten Jahre sollen hier etwas ausführlicher behandelt werden, denn mit der Wiedergründung begann für die Garde eine Zeit der Konsolidierung, die der Garde den endgültigen Durchbruch brachte.

Um die hohen Kosten für die Uniformen einigermaßen zu decken, musste jeder Gardist eine bestimmte Summe in eine „Kleiderkasse“ einzahlen. Von den Offizieren wurde eine „Garantiesumme“ von 300,– Reichsmark verlangt – damals ein enorm hoher Betrag –, dies wurde aber nach „erregter Debatte“ wieder zurückgestellt. Die Fastnacht 1929 besitzt bis heute in Mainz einen besonderen Stellenwert. Ein Jahrhundertwinter mit Temperaturen bis –28°C lud nicht gerade dazu ein, mit klingendem Spiel auszurücken, aber mit General Jakob Wagner und Adjutant Karl Krämer an der Spitze, marschierte die Garde trotz sibirischer Temperaturen mit neuem Mut in die tollen Tage. Mit 60 Mann, Offizieren und Mannschaften, der Feuerwehrkapelle Kastel unter Eduard Müller als hervorragende Gardekapelle, die allerdings mit eingefrorenen Instrumenten nur optisch in Erscheinung trat, zog man am Rosenmontag durch Mainz, und selbstzufrieden heißt es in einem Gardebericht: „Überall freudig begrüßt und herzlich aufgenommen, beweist es sich, daß der rechte Wurf getan und gelungen war“. 

Zuvor, am Fastnachtsamstag, erweckte man die Kasteler Rekrutenvereidigung wieder zu neuem Leben, die in der Folge bis ins Jahr 1972 zu einem überaus beliebten Programmpunkt der Kasteler Straßenfastnacht wurde.

Eine schlimme Nacht für die Jocus Garde!

„Am Spätabend des 22. August 1940 heulten die Alarmsirenen über unser Gebiet. Wie schon öfter flogen englische Bombergeschwader in unser Gebiet ein. Die Bevölkerung war schon zwei Stunden in den Luftschutzkellern und als das Flakfeuer wieder aussetzte, glaubte man allgemein, daß für heute die Gefahr überstanden sei. Aber es sollte anders kommen. Gegen zwei Uhr kam wieder eine Angriffswelle der feindlichen Flieger. Bomben auf Bomben fielen. Der Himmel rötete sich und hatten die Bomben nur zu gut getroffen. Der langgestreckte Dachstock des Industriehofes stand in Flammen. Der Wind trieb die Flammen über den ganzen Dachstock des Gebäudes. Ein schauerlich schönes Bild. Leider konnten durch Absperrmaßnahmen nur wenige an den Brandherd kommen. Unsere Kammer, neben anderem, stand in Flammen. Einigen beherzten Gardisten gelang es in die brennende Kammer einzudringen, um noch etwas zu retten. Auf diese Art konnten noch ca. 70 Anzüge von Gardisten und die Fahnen gerettet werden. Alles andere unseres Inventars verbrannte. In den frühen Morgenstunden konnten wir das gerettete Inventar in das bereitwilligst von Herrn P. Hück, Mainzer Straße, zur Verfügung gestellte Sälchen bringen, wo es fürs erste geborgen war. In der einen Nacht brannte die langjährige Arbeit zahlreicher Idealisten und Gönner nieder und es wird viel Arbeit und Widrigkeiten geben, ehe die Garde wieder das besitzt, was sie durch den hinterhältigen Fliegerangriff feiger Buben verloren hat.“

Es folgt eine dreiseitige Aufstellung des Brandschadens, der sich auf 13596,72 RM belief, von den geretteten Gegenständen überstanden lediglich 2  Standarten, eine Fahne ohne Stange und 10 Uniformen diese schlimme Zeit, das heißt, die Garde hat während des Krieges alles was sie besaß, verloren.

Der Neubeginn aus dem Nichts

„Zum Auftakt! ‚Wohltun durch Humor'“, dies sind die ersten Worte im Protokollbuch der Garde nach dem verheerenden Krieg. Auf die ersten MCV-Sitzungen im Brauhaus „Zum Rad“ bezieht sich der weitere Text: „... So geschah es in Mainz! Wer wundert sich da, daß es sich auch bei der Mainz-Kasteler Jocus Garde wieder zu regen begann? Aus allen Teilen der Bevölkerung wurde immer wieder in diesen Tagen der Ruf nach der Jocus Garde laut. Es entschlossen sich einige der Kommando-Mitglieder der Jocus Garde, die Vorarbeiten zwecks Neugründung der Garde zu übernehmen, die ersten
Schritte wurden im Auftrage von Jean Hellrich in einem Schreiben an das Polizeipräsidium in Wiesbaden getan ...“.

Die ersten Zeichen eines Wiedererwachens der Garde gab es allerdings schon früher. Am Rosenmontag jenes Jahres trafen sich ehemalige Kommandomitglieder, Offiziere und Gardisten bei August Roßmann in dessen Lokal zu einem Dünnbierschoppen, gefolgt von der ersten Zusammenkunft in der Wohnung von Georg Körner. Jean Hellrich, Albert Ermus, Josef Beden, Anton Menz und Georg Körner waren die Männer der ersten Stunde. Im „Hauptquartier“ der Garde, in der vom Krieg verschont gebliebenen „Backstubb Hellrich“ liefen in der Folgezeit die Fäden zusammen. Die erste Versammlung musste noch durch die Militärbehörde genehmigt werden, was nach vielem Hin und Her endlich geschah. Diesem ersten offiziellen Ruf der Garde waren am 9. März 1947 im „Lokale des Herrn Roßmann“ in „geschlossener Gesellschaft“ 63 Mitglieder gefolgt, um die Bilanz des
mörderischen Krieges, dem man immerhin glücklich entronnen war, zu ziehen. Es war eine traurige Bilanz, die man ziehen musste, danach verloren 26 Mitglieder in dieser Zeit ihr Leben, das gesamte Inventar bestand nur noch aus „1 Fahne ohne Stange, 2 Standarten, 10 Gardisten-Uniformen, sowie einem Sack mit Koppeln und Hüten“. Der Kassenbestand betrug 1658,40 RM (wohlgemerkt Reichsmark), was aber trotz allem den Kommentar bewirkte „für den Aufbau der Garde ist dieser Betrag ein schöner Grundstock“, was für die Bescheidenheit der gerade noch einmal Davongekommenen sprach. In das erste Garde-Kommando wurden gewählt: Jean Hellrich, 1. Vorsitzender; Albert Ermus, Schriftführer; Josef Beden, Kassierer; Anton Menz, Georg Körner und Heinrich Brückbauer. Zur ersten Veranstaltung nach dem Krieg traf man sich am 13. September 1947 im Garten des „Goldenen Anker“ zu einer „Gemütlichen Zusammenkunft mit Tanz“, wenn auch die Kommentare sich hierzu nicht gerade berauschend lesen „ ... nur kam beidem dünnen Einheitsbier nicht die Stimmung auf, die man sonst bei der Garde gewöhnt war ...“ Nun, wer dieses Bier einst trinken musste, kann das selbst heute noch
nachvollziehen.

So fand denn auch der erste Generalappell am 16. November mangels besserer „Unterkunft“ in der ehemaligen Mützenfabrik Kubach statt, dessen „Saal“ ca. 120 Personen Platz bot. Sitzungspräsident Jean Hellrich musste zwar sein Komitee auf fünf Minister beschränken, an der Musik aber nicht gespart, denn „... erfreulicher Weise spielt die Kapelle in dieser Kampagne bei den Veranstaltungen außer Verpflegung kostenlos ...“. – Die 15 Mann starke Blasmusik (immerhin 12,5% des Publikums) der Gardekapelle vom Musikverein Concordia Kostheim unter Eduard Müller, blies wohl die letzten trüben Gedanken aus den Gardistenhirnen, denn diese Veranstaltung wurde zu einem vollen Erfolg. Seppel Glückert und Karl Moerlé vom MCV brachten die
Grüße von der anderen, der französischen Rheinseite, deren Passbeschränkungen die Delegation des MCC zum Opfer fiel. Zu den Veranstaltungen des Jahres 1948 konnte man zunächst über den „erweiterten“ Saal des „Goldenen Anker“ verfügen, der aber auch nur ca. 150 Plätze fasste, so dass man die Karten für das karnevalistische Konzert und die vier Damensitzungen rationieren musste.

Die Straßenaktivität der Garde war verständlicherweise in diesem Jahr noch sehr eingeschränkt. Immerhin fand am Fastnachtsonntagnachmittag nach einem Platzkonzert ein erster Umzug durch das in Trümmern liegende Kastel statt, eine Zeitungsnotiz besagt „... Beteiligt waren die gesamte Kasteler Jugend und eine große Anzahl Gardisten, zum Teil in Uniform. Die Führung hatten Präsident Jean Hellrich und Generalfeldmarschall Jakobus von Wagner ...“, ein Ereignis, das im Protokollbuch treffend kommentiert wurde: „Dieser Umzug wurde vielleicht von der Bevölkerung dankbarer aufgenommen, als sonst in guten Vorkriegsjahren der glänzendste Umzug“. Die erste Kampagne war also geschafft, durch den Totalverlust mangelte es natürlich an allem was man zur Durchführung von immerhin fünf Veranstaltungen brauchte, angefangen von Dekorationsmaterial über Zeremonienstäbe, Kappen, Bütten usw., alles musste mehr oder weniger improvisiert werden, denn nichts war mehr vorhanden und auch in diesen Jahren nicht oder doch nur sehr schwer zu beschaffen.

Eine neue Ära beginnt

Mit der Wahl von August Feldmann begann eine beeindruckende Ära in der Gardegeschichte. Ohne die Leistungen früherer Vorsitzenden, auch nur in irgendeiner Art und Weise schmälern zu wollen, kommt man doch nicht umhin, den nun beginnenden Zeitabschnitt unter diese Überschrift zu stellen. Jetzt wurden die Grundlagen gelegt für das, was heute unsere Garde auszeichnet: ein in ungezählten Stunden Eigenarbeit geschaffenes einmaliges Gardeheim, eine Garde, die sich als Mittler im Problemfall AKK sieht, die sich Wiesbaden öffnet, ohne ihre Mainzer Wurzeln zu verleugnen, eine Garde mit beispielhafter Jugendarbeit usw. usw. Natürlich wurden für all diese heutigen Selbstverständlichkeiten schon in den Jahren davor die Grundlagen geschaffen, aber außergewöhnlich gute wirtschaftliche Zeiten und ein hervorragend funktionierendes Mitarbeiter-Team, dazu viel Mut, Elan und Engagement in die närrische Sache bewirkten, dass in den Jahren der Präsidentschaft von August Feldmann, mit Assistenz von „Vize“ Werner Merk, der das neugeschaffene Amt des Geschäftsführers übernahm, viele große Vorhaben verwirklicht wurden. „Wir wollen das Ansehen der Garde stärken, den Kreis unserer Freunde durch gute Leistungen mehren und bei allem Respekt vor der Tradition neue Wege gehen, die begeistern“.

Unter diese Maxime stellte er die Arbeit des neuen Gardekommandos. So begann 1966 der Ausbau der Reduit zuerst in bescheidenem Maß, bis hin zu den heutigen nahezu komfortablen Räumen. Auch die Pflege internationaler Beziehungen stand von nun an mit im Vordergrund. Ein Besuch de Garde in Watford, der englischen Partnerstadt Wiesbadens und zum Mirabellfest in Metz, wo die Garde mit 200 Teilnehmern zur Freundschaftsfahrt ausrückte.
Neue Ideen keimten, neue Verbindungen wurden geknüpft, so zum Beispiel zu den Schiersteiner Flusspionieren. Am 11. im 11. wurde nicht nur im Kreis der Garde die Fassenacht eröffnet, der erste Martinszug den die Garde veranstaltete, brachte auf Anhieb am selben Tag 1000 Kinder auf die Straßen von Kastel. Der Sommer brachte mit dem neu geschaffenen Landsknechtfest ein uriges Spektakulum in den Reduit-Hof, das – verbunden mit einer großen Handwerkerschau – über viele Jahre hinweg die Massen anzog.
Mit der Ernennung von Dr. Otto Becker zum neuen Generalfeldmarschall fand ein turbulentes Jahr seinen Abschluss, das in der Ankündigung eines Geburtstagsbesuches der Garde zum 80jährigen Bestehen Anfang Januar in der „Stiefvaterstadt“ Wiesbaden gipfelte. Dieser Ausflug brachte nicht die gewünschte Resonanz, aber davon ging die Narren-Welt nicht unter, wenn es auch gewisse unterschwellige Spannungen zwischen den Mainzer Garden und der Jocus Garde nicht gerade minderte. Zwei Monate später traf es die Jocus Garde besonders hart beim damals sogenannten Jahrhunderthochwasser. Sämtliche Räume standen unter Wasser, wobei die Kleiderkammer besonders schlimm betroffen wurde und zahlreiche Uniformen vernichtet wurden. Man ermittelte einen Schaden von 10500,– DM, was die Teilnahme am Hessentag gefährdet hätte, wäre nicht eine spontane Hilfsaktion mit Erfolg gestartet worden, wobei unter anderen der MCC sich vorbildlich solidarisch zeigte.