Peter Müller

Stadtmarschall Mainzer Kleppergarde

Benennung zum Stadtmarschall: 2003

Mainzer Klepper-Garde 1856 e.V.

Zweitälteste Mainzer Fastnachtsgarde und anerkannte Jugendpflegeorganisation.

Was ist eigentlich Kleppern?

Das Kleppern ist ein alter Volksbrauch, bei dem man mit einem Lärminstrument die bösen Geister des Winters vertrieb. Kleppern ist nämlich nichts anderes als Klappern und war früher in Mainz sehr beliebt. Früher, das war die Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg, nach dem Krieg geriet das Klappern ins Hintertreffen, bis zum Jahr 1964.

Da klagte der damalige Oberbürgermeister Franz Stein, dass die Mainzer Kinder gar nicht mehr kleppern könnten. Das wollte wiederum der damalige Bürgermeister Karl Delorme nicht ohne Widerspruch hinnehmen und rief spontan den ersten Klepperwettberwerb ins Leben, der bis heute regelmäßig am Mittwoch vor Fastnacht im Frankfurter Hof stattfindet.

Die Garde

Für das „Kleppern“ in Mainz steht natürlich die Mainzer Klepper-Garde, die 1856 für eben das Kleppern gegründet wurde. 1856 sammelte Karl Dremmel die Mainzer Jugend und beteiligte sie erstmals an einem Umzug – als „Klepperbuben“. Daraus erwuchs die Klepper-Garde, deren Uniformen wie „Gefieder aus bunten Papierschnitzeln“ aussehen. Das schrieb nicht irgendein Chronist, sondern niemand anders als der Schriftsteller Carl Zuckmayer.
Zuckmayer schrieb anno 1913 seine berühmte „Fastnachtsbeichte“, den Roman um Mord und Schuld mitten im schrankenlosen Mainzer Fastnachtstreiben. Das darin auch die Klepper-Garde vorkam, war kein Zufall. Zuckmayer war als Kind von sechs Jahren 1902 selbst als „Klepperbub“ in der Garde mitgelaufen. Die Gründung der Garde war auch ein Protest gegen den Mainzer Carneval-Verein: Der hatte nämlich damals, in der Mitte des 19. Jahrhunderts, einen Beschluss gefasst, dass Kinder und Jugendliche im Rosenmontagszug nicht erwünscht seien – der „Zügellosigkeit“ der Jugend sollte nicht weiter Vorschub geleistet werden. Die Gründer der Klepper-Garde fanden das nicht gut. Als bei einem Konzert am 4. Januar 1856 mehrere Mainzer Buben mit „Kleppern“ zum Einsatz kamen, war die Idee geboren. Am 22. Januar fand die Gründungsversammlung statt und bereits beim Rosenmontag desselben Jahres gingen über 200 Mainzer Knaben im Rosenmontagszug mit, gekleidet in Anzügen aus vierfarbbunten Papierschnitzeln. Heute sind die Kostüme aus buntem Filz, der Haltbarkeit und des Wetters wegen, aber als „Schnitzelbajazz“ bezeichnet man heute noch einen Kleppergardisten.

Historiker sagen, dass Schnitzelkostüme und Klapper wohl ursprünglich aus dem Badischen stammen und wohl durch Rheinflößer nach Mainz gelangten. Die „Klepper“ ist bis heute gleich geblieben. Zwei knapp 20 Zentimeter lange und fünf Zentimeter breite Holzbrettchen, die zwischen verschiedene Finger einer Hand geklemmt und dann durch das Schütteln des Handgelenks aufeinander geschlagen werden – ähnlich wie bei spanischen Kastagnetten.
Mit einem „Klepper“, einem alten Gaul, hat der Vereinsname denn eigentlich auch nichts zu tun – auch wenn ein Pferd zu einem weiteren Markenzeichen der Garde
wurde. Seit 1859 reitet der General der Garde nämlich auf einem überdimensionalen Schaukelpferd, dem „Schockelgaul“ – ganz im Sinne der Tradition, die echten Garderegimenter aufs närrische Korn zu nehmen. So ist die Mainzer Klepper-Garde bis heute eine der urnärrischsten Garden in Mainz und widmet sich zudem bis heute intensiv der närrischen Jugend.

1970 rief die Kleppergarde die Fastnachtssitzung „Jugend in die Bütt“ ins Leben, die ab 1971 zuerst vom SWF, dann vom ZDF regelmäßig im Fernsehen übertragen wurde. Die Veranstaltung gibt es bis heute, wegen des Rückzugs des ZDF aus der lokalen Berichterstattung wurde sie allerdings 2002 zum letzten Mai im Fernsehen übertragen. Die Nachwuchsförderung aber lebt weiter.

Im Saal und uff de Gass' 

Neben der Teilnahme an allen Mainzer Umzügen bietet die Garde natürlich auch weitere närrische Aktivitäten. So gibt es seit einigen Jahren eine „Kappesitzung“, an der sich neben einigen bekannten Gesichtern auch immer wieder der erwachsene närrische Nachwuchs beweisen kann und natürlich veranstaltet die Mainzer Klepper-Garde auch alljährlich ihre „Große Gardesitzung“ im Kurfürstlichen Schloss, bei der sich einige der namhaftesten Aktiven und Gruppen der Mainzer Fastnacht dem närrischen Auditorium präsentieren. Ein Geheimtipp ist auch die schon legendäre Damensitzung „Unsere Hausdrachen“ mit einem perfekt auf die Damenwelt abgestimmten Programm der Extraklasse. Seit 1983 vergibt die Garde gemeinsam mit der Stadt Mainz die Auszeichnung „Meenzer Jockelche“ in Anlehnung an den früheren Mainzer Oberbürgermeister Jockel Fuchs. Mit dem Meenzer Jockelchen werden Personen oder Institutionen geehrt, die sich in vorbildlicher Weise um Kinder- und Jugendliche verdient gemacht haben. Nachdem die Auszeichnung bis vor einigen Jahren immer im Rahmen der Sitzung „Jugend in die Bütt“ verliehen wurde, findet die Verleihung heute im festlichen Rahmen eines Galadinners mit närrischen Einlagen statt und gilt bereits jetzt als gesellschaftliches Highlight im fastnachtlichen Geschehen.

Jugendarbeit der Garde

Wie auch andere Garden in Mainz bietet natürlich auch die Klepper-Garde für Kinder und Jugendliche eine Vielzahl von verschiedenen Aktivitäten und sinnvoller Freizeitgestaltung an. Neben zwei mit einigen Preisen dekorierten Ballettgruppen, dem Gardeballett mit klassischem Gardetanz und der Showtanzgruppe „DanceXpression“ existiert auch ein Trommlerzug, indem - einzigartig in Mainz - junge Menschen mit und ohne Behinderungen gemeinsam auf einem hohen musikalischen Niveau musizieren. Für den Gardenachwuchs gibt es auch einen Kinderchor sowie ein Nachwuchs-Trommlerkorps.